Mein Leben Schule Beruf Hobby Hinweise Kontakt

Sicherheits-Beamter an Auslandsvertretungen.

Teheran - Bangkok - Ankara

Eingangsbereich der Botschaft Bangkok. Meine nächste Station als Sicherheitsbeamter war Bangkok. Erfahren habe ich davon bei einem Tennisturnier in Bonn Bad Godesberg auf dem Tennisplatz beim Seitenwechsel. Ein Freund aus dem BMI (Bundesministerium des Innern) hatte dienstlich gerade das Fernschreiben auf den Tisch bekommen und mich anschließend informiert. Innerhalb von drei Tagen hieß es packen und abreisen. Am 05. September 1989 trat ich die Reise nach Thailand an.

Ein Kollege dort hatte sich bei einem Unfall mit dem Leichtmotorrad das Bein gebrochen. Es herrscht dort Linksverkehr und man ist als Zweiradfahrer dort besonders gefährdet. Gott sei Dank war es nur ein Beinbruch. Ihn musste ich nun ersetzen, da er seinen Dienst naturgemäß nicht mehr verrichten konnte.

Die ersten vier Tage musste ich ins Hotel ziehen, da der Kollege erst dann abreisen und so in der Wohnung des HOD erst dann das Zimmer räumen konnte. Diese Wohnung benutzten wir zu zweit und wurden dort von einer älteren Thaifrau, die für uns kochte und unsere Wohnung sauber hielt, betreut.

Hier in der Botschaft gab es keinen echten Schichtdienst, sondern nur Dienst von Montag bis Freitag zwischen 06:30 Uhr und 19:00 Uhr. Den teilte ich mir mit meinem Kollegen. Einer fing früh an und der andere hörte spät auf. So blieb genügend Freizeit unter der Woche und vor allem aber am Wochenende. Allerdings mussten wir immer telefonisch erreichbar sein.

Die Aufgaben waren die gleichen, wie sie auch in Teheran anfielen, nur hatte man hier lediglich ein Objekt, da die Residenz des Botschafters mit auf dem Botschaftsgelände stand. Überhaupt gestaltete sich hier alles viel leichter, als ich dies aus Teheran in Erinnerung hatte. Das Land des Lächelns zeigte sich täglich von seiner besten Seite. Freundlichkeit und Höflichkeit begegnete man immer und überall, und das nicht nur während des Dienstes.

Hier gab es einen besonderen Aufgabenbereich. Wir mussten die vielen Besucher, die sich täglich für ein Visum anstellten, kontrollieren und beaufsichtigen. Hier kam der normale Tourist, dem man seine Papiere samt Geld gestohlen hatte und das gleich bei seiner Einreise. Oder aber der, der sich gerade am Abend vorher in der Bar ein Mädchen geangelt hatte und nun mit ihr in der Botschaft erschien, um für sie ein Visum zu beantragen, da man heiraten wollte.

Tempelbautenin Thailand.
Ladyman und Mann in einer Show. Bei solchen Gelegenheiten bekam man natürlich sehr engen Kontakt mit den Deutschen und es war manchmal schon sehr verwunderlich, wie unbedarft und unwissend manche dieser Touristen waren. Wenn so ein Pärchen in die Botschaft kam, musste "sie" natürlich das Visum beantragen und nicht "er". Er war ja Deutscher. Dieses manchen Leuten klar zu machen war manchmal eine besonders schwere Aufgabe und förderte ungläubiges Erstaunen hervor.

Da gab es den 70jährigen Schwaben, mit dem ich ein nettes Gespräch hatte. Er erzählte mir, dass er seine "Dame" am Abend vorher in einer Bar kennen gelernt und mit ihr geschlafen hatte. Deshalb müsse er sie nun heiraten. Er erzählte mir dabei, dass er im Besitz eines Häuschens sei und ihr wohl öfter Geld schicken müsse, bis sie denn nach Deutschland könnte. Währen dieser Zeit saß die "Dame" hinter ihm und versuchte dabei ständig mit mir Blickkontakt zu bekommen. Dabei zwinkerte sie mir mit dem Auge zu. Als wir uns verabschiedeten gab sie mir die Hand, in der war ihre Visitenkarte, mit den Worten: "I see you next!" Der arme Mann.

In Thailand gibt es recht viele Transvestiten. Unser Pförtner, ein Inder mit dem Namen Dubai, sagte dazu immer "Ladyman". Er erkannte auf Anhieb, ob es sich um eine Frau oder in Wirklichkeit um einen Mann handelte. So kam einmal ein sehr verliebtes Pärchen in die Botschaft in Sachen Visum. Sofort sagte Mr. Dubai zu mir: "It is a ladyman!". Ich wollte es nicht glauben und begab mich nach draußen, um diese Person zu kontrollieren. Als ich den Pass öffnete war ich richtig erschrocken. Es handelte sich eindeutig um einen Mann. "Sie" hatte ihn, den Deutschen, jedoch so verzaubert, dass er dies nicht wahrhaben wollte. Das Visum wurde übrigens aus mir nicht bekannten Gründen abgelehnt.
Natürlich war auch Zeit genug, das Land zu erkunden und Reisen ins Landesinnere zu unternehmen. Hierbei hatte ich besonderes Glück. Ich lernte hier an der Botschaft meine zweite Frau kennen. Sie arbeitete damals als Fremdsprachenassistentin dort und war für insgesamt 4 Jahre an die Botschaft Bangkok versetzt. Sie hatte ein Auto und so erkundeten wir das Land von Nord nach Süd und lernten so wundervolle Plätze kennen. Mehr dazu gibt es unter Hobby zu lesen.

In diesem Land lernte ich die thailändische Küche kennen und liebe sie bis heute. Diese Vielfalt der Nuancen, die manchmal gewöhnungsbedürftige Schärfe und die wunderbaren Früchte dieses Landes hatten es mir schnell angetan. Dazu kann der Leser sich unter Hobby bei den Rezepten ein Bild machen. Nie wieder sah ich eine solche Vielfalt von Farben bei den Pflanzen, Blumen und Früchten. Letztendlich führten diese dienstlichen 11 Monate dazu, dass ich bis heute dem Land treu geblieben bin und dort, wann immer es geht, Urlaub mache.

Mangostin
Der Klosterchor. Hier bekam ich auch wieder Kontakt zur Musik. Im Oktober 1989 schloss ich mich dem evangelischen Chor der deutschsprachigen Gemeinde in Bangkok an. Eine wunderbare Zeit sollte hiermit beginnen, die noch bis heute anhält. Weihnachtsgottesdienst am 24.12. Nachmittags um 16.00 Uhr bei 30 Grad war schon ein Erlebnis der besonderen Art. Weihnachtsgefühle benötigten da etwas länger, bis sie sich zeigten und einen in entsprechende Stimmung versetzten.

In Bangkok erlebte ich auch mein 25jähriges Dienstjubiläum. Hier zeigte meine spätere Frau ihr Organisationstalent. Zusammen mit diesem Chor überraschte sie mich mit einer Feier außerhalb der Botschaft in einem Haus einer Freundin von ihr. Hier durfte ich dann erleben, dass man auch im Ausland, fernab der Heimat von den Freunden und Bekannten, zu Gefühlen im Stande ist, wenn denn das Umfeld zusammen mit den Personen stimmt.

Jedes Jahr, zwei Tage vor dem Geburtstag des Königs, findet in einer großen Zeremonie die Vereidigung des Militärs auf den König statt. Ein wirklich imposantes Spektakel. Farbenfroh in Gold und Blau die Tribüne für den König und ebenso farbenprächtig der Vorbeimarsch der Truppen. Die Zuschauer durften nur auf der gegenüberliegenden Seite Aufstellung nehmen und auf keinen Fall auf irgendwelchen Leitern oder Stühlen stehen, um ein besseres Bild zu haben. Die ganze Stadt war aus Anlass des Geburtstages festlich geschmückt und überall hing ein Bild des Königs.

Der Thailänder auf der Straße bleibt dann vor so einem Bild stehen und macht den Wai. Die thailändische Begrüßung. Bei den vielen Bildern war dies zum Teil recht anstrengend für manchen. Interessant fand ich ebenfalls die Tatsache, dass damals immer um 18:00 Uhr die Nationalhymne gespielt wurde. Aus diversen Lautsprechern, Radio und TV schallte dann die Hymne über die Straße. Auch hier blieb der Thailänder stehen und zeigte so seinen Patriotismus.

Die Zeit in Bangkok hat mein weiteres Leben geprägt. Doch die 11 Monate gingen auch hier viel zu schnell vorbei. Es wartete schon der nächste Posten auf mich. Es sollte Ankara werden, was ich jedoch zu dieser Zeit noch nicht wusste.

Königs Geburtstag