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Sicherheits-Beamter
an Auslandsvertretungen.
Teheran
- Bangkok - Ankara
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Am
07. Februar 1991 machte ich mich auf den Weg, meinen dritten
Posten anzutreten. Die Botschaft
in Ankara war mein Ziel. Wer sich erinnert, weiß sicherlich
um die Geschehnisse des zweiten
Golfkrieges, der zu diesem Zeitpunkt in den letzten Zügen
lag. Dementsprechend hatte ich gemischte Gefühle, als ich von Frankfurt
aus über Istanbul
nach Ankara,
der Hauptstadt der Türkei
flog. Nasskaltes
Wetter empfing mich, als ich die Maschine verließ. Ein Kollege
holte mich am Flughafen ab und brachte mich zur Botschaft.
Unsere Fahrt ging durch eine Stadt, die vor Luftverschmutzung
nur so strotzte. Auf Grund der geografischen Lage fand dort kaum
ein vertikaler Luftaustausch statt. Dadurch legte sich der Smog
wie eine Glocke in den Wintermonaten über die Stadt. Die
Botschaft selber liegt in dem Stadtteil Kavaklidere, Çankaya.
Dieser Teil liegt im Süden und hoch über der Stadt, wodurch
man über dem Dreck wohnt. Das
Botschaftsgelände ist ein weitläufiges Areal auf dem neben den
offiziellen Gebäuden der Verwaltung,
Rechts-
und Konsulatabteilung, Wirtschafts-
und Kulturabteilung, auch die Residenz des Botschafters
untergebracht war. Ein Tennisplatz, ein Schwimmbad und ein
Reitplatz mit kleinen Stallungen rundeten das Bild ab. |
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Ich
war Führer einer kleinen Gruppe von Kollegen, die in drei
verschiedenen Bereichen untergebracht waren. Auf dem
Residenzgelände, wegen der Erreichbarkeit, wohnte u.a. ich
unterm Dach in einem 9 qm großen Raum mit schrägen Wänden.
Es standen dort drin 1 Bett, 1 Schrank, 1 Tisch, 1 Stuhl und
eine kleine Kommkode als Ablagemöglichkeit. Jedem Gefangenen
in einem deutschen Gefängnis steht mehr Platz zur Verfügung.
Bis zum Umzug in ein anderes Zimmer in einem Neubau auf dem
Gelände sollten jedoch noch einige Monate vergehen.
Außerhalb der Botschaft war noch eine kleine Zweiraumwohnung
angemietet, in der ebenfalls Kollegen wohnten.
Unserer
Gruppe unterstellt waren auch türkischer Sicherheitsleute,
die als Angestellte Bedienstete der Deutschen
Botschaft waren. Hier war ich zugleich Ansprechpartner in
allen Fragen, die die Dienstplangestaltung und
Dienstdurchführung betraf. Allerdings musste ich auch in
allen sozialen Belangen, die ihren Ursprung im Dienst hatten,
tätig werden. Mit der Zeit wurde ich so etwas wie eine
Vertrauensperson für diese Leute, da ich ihre Anliegen nach
oben, vor der Leitung des Hause, vertrat und durchsetzte. |
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Eine
Besonderheit in dieser Zeit war folgender Umstand. Im Nachbarland
herrschte Krieg und so wurde meine Gruppe kurzer Hand dem Militärattaché
unterstellt. Wir waren Bundespolizeibeamte,
unterstellt dem Militär. Welch eine Farce. Dies machte sich
auch sogleich dadurch deutlich, dass unsere Rundgänge auf dem
Gelände nach Meinung des für uns zuständigen
Luftwaffenattachés doch bitteschön im Kampfanzug mit
Stahlhelm und MP stattzufinden habe. Mein Protest in dieser
Hinsicht war von Erfolg gekrönt und so konnten wir unsere
Rundgänge weiterhin in ziviler Kleidung absolvieren.
Ein
Problem an dieser Botschaft war die enorme Anzahl von
Antragstellern in Sachen Visum. An manchen Tagen gab es bis zu
3000 (dreitausend) Türken, die sich an der Visastelle
draußen vor dem Tor einfanden. Die türkische Polizei
versuchte die Massen zu leiten, was jedoch ohne Erfolg war. Im
Gegenteil, wir beobachteten, dass die Polizei sogar Plätze in
der Schlange verkaufte. Dies wurde von uns abgeprangert und
die Polizei von Zeit zu Zeit ausgewechselt. Doch an dem System
änderte dies nichts. Vor dem Tor campierten in der warmen
Jahreszeit die Antragsteller, um so am nächsten Tag in der
Warteschlange einen vorderen Platz zu ergattern. Dies nutze
jedoch auch nicht viel, da sogenannte Platzhalter ihren Platz
in der Warteschlange an andere verkauften. So waren meistens
die ersten 20 - 30 Plätze schon vorab "vergeben". |

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Eines
Tages tauchte an einem Nachmittag ein Taxi auf. Es stieg aus
ein Türke aus Ostanatolien mit seiner Frau. Beide in
landesüblichen Gewändern. Sie wollten zum Leiter der
Visastelle, sie hätten einen Termin. Da die Verständigung
nur mit Händen und Füßen möglich war, holten wir einen
Dolmetscher. Dieses Paar hatte natürlich keinen Termin, doch
kam im Gespräch heraus, dass sie an einen Vermittler bereits
20.000,00 DM (zwanzigtausend) bezahlt hatten, worin der Termin
in der Visastelle, das Visum und das Ticket nach Deutschland
enthalten sei. Leider musste dieses Paar unverrichteter Dinge
wieder abziehen und natürlich wurden die Hintermänner nie
ausgemacht. Es war schon bedauernswert, wie solche Leute, die
ihr ganzes Leben auf diesen Moment gespart hatten, einfach
betrogen wurden. Wir standen dem machtlos gegenüber. |
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Rund
um die Visastelle
hatten findige Türken Wohnungen angemietet, die als
Schreibbüros fungierten. Dort konnte der des Schreibens
unkundige türkische Antragsteller seinen Visaantrag
ausfüllen lassen. Natürlich nur gegen gutes Geld.
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Ich
hatte aber auch Gelegenheit, den Türken mit samt seiner
überaus freundlichen Art und zuvorkommenden Gastfreundschaft
kennenzulernen. So wurde ich von den türkischen
Sicherheitskräften zu einem Picknick eingeladen. Es war Mai
und noch recht frisch. Mit einem Kleinbus ging es ab in die
Wälder, die es rund um Ankara gibt. Etwa 1 Stunde Fahrt und
wir hatten einen kleinen See entdeckt, an dem wir es uns
gemütlich machten. Alles, was man so benötigt, hatten die
Türken mitgebracht. Ich durfte nichts tun, sondern nur warten
und zusehen.
Der
Grill wurde ausgepackt, die Getränke unter fließendem Wasser
gekühlt, die Angel präpariert und ins Wasser gelassen, der
Tisch eingedeckt und der Kassettenspieler in Gang gesetzt. Von
nun an dröhnte mir die typische Musik in meinen Ohren, die
auch heute noch für mich gewöhnungsbedürftig ist. Es wurde
beim Zubereiten der Speisen getanzt und gesungen. Kurz um, man
war fröhlicher Dinge. Geschmeckt hatte es übrigens ganz
vorzüglich. Diverse Salate, Fleisch vom Grill und dazu das
typische Fladenbrot. |
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Einen
ganz besonderen Platz nimmt Ankara bei mir deshalb ein, weil
ich dort zusammen mit meiner Frau in der Botschaft vor einem
türkischen Standesbeamten die Ehe geschlossen habe. Das war
nicht ganz einfach, denn neben sprachlichen Hindernissen, die
durch eine Dolmetscherin der Botschaft gelöst wurden, galt es
diverse Papiere zu besorgen und zu übersetzen, bis der
dortige Standesbeamte bereit war, gegen Zahlung einer Gebühr
versteht sich, uns in der Bibliothek der Deutschen
Botschaft zu trauen. Es war schon ein ganz besonderes
Gefühl.
Nach
der Zeremonie hatten wir zu einem Empfang am Pool eingeladen.
Bei wunderschönem Sommerwetter am 20. August 1991 erlebten
alle Beteiligten einen unvergesslichen Nachmittag. Es wurde
gegessen und getrunken, getanzt und die Braut entführt. Gott
sei Dank habe ich Sie in einem unter deutscher Leitung
stehendem Cafe nach einiger Zeit wiedergefunden. Der Abend
klang aus bei einem Hochzeitsessen im kleinen Kreis hoch über
der Altstadt mit Blick auf die Dächer und der beleuchteten
Kulisse von Ankara. |
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| Gefordert
wurden wir bei besonderen Anlässen. Da gab es den
Ministerbesuch, der immer etwas Außergewöhnliches darstellt.
Da musste jeder auf seinem Posten mehr als 100% geben.
Publikumsverkehr ist eine besonders heikle Situation.
Einerseits ein Höchstmaß an Sicherheit bieten und
andererseits den Besucher nicht abschrecken. So hatten wir
z.B. einen "Tag der offenen Tür" zu überstehen.
Dabei hieß es für alle, Freundlichkeit als oberstes Gebot
und trotzdem die Sicherheit an die erste Stelle setzen.
Durch
die Art der Dienste, es wurde Schichtdienst geleistet, gab es
auch Freizeit, die sinnvoll genutzt werden sollte. So reiste
ich von Ankara aus nach Norden an das Schwarze
Meer nach Zonguldak
und nach Süden ans Mittelmeer, wo sich auch der normale
Tourist einfindet und bis zur syrischen Grenze nach Harran.
Nach Westen bis Izmir
und Bodrum,
um die alten Städte der Antike, wie zum Beispiel Ephesus,
zu besuchen. Nur nach Osten klappte es nie. Warum, lässt sich
nicht erklären. Doch habe ich später dies alles nachgeholt,
was in meinen Reiseberichten
nachzulesen ist. |
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| Meine
Zeit in Ankara endete am 05. November 1991. Vor mir lagen
die letzten aktiven Wochen meiner Dienstzeit, da danach
meine Zeit als Hausmann begann. Es
sollte noch etwas hektisch werden, bis es endlich soweit war
und ich die Uniform für die nächsten Jahre mit dem
Kochlöffel tauschen konnte. Die Türkei
war für mich ein Land der Gegensätze. Totale Armut im
Osten und Südosten, fast schon westliches Flair im
Südwesten des Landes, das durch den Tourismus geprägt
wurde, Industrie im Westen und Kohleabbau im Norden.
Dazwischen sowohl karges Hochland, als auch riesige Wälder
mit wunderschönen Seen. Dazu immer und überall die
Gastfreundlichkeit der türkischen Menschen, die ich erleben
durfte. |
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