Fahrt von Ellwangen nach Tirana, Albanien 1992.
Wie man unter Berufe - Hausmann - Albanien nachlesen kann, waren wir von Januar 1992 für 2 Jahre in Tirana, Albanien. Dies war zu einer Zeit, als die Öffnung nach Osten stattfand. Auch in Albanien fand dieser Umschwung statt und wir platzten mit unserem Umzug mitten hinein. Nachdem wir den Umzug von Bangkok aus auf den Weg gebracht hatten, stand so unsere  erste Reise an. Wir wohnten vorübergehend in Ellwangen, von wo aus wir uns auf den Weg machten. Das Ziel ist rechts auf dem Bild zu sehen.

Gleichzeitig war dies ja unsere Umzugsreise und so wurde das Auto, ein Mercedes Diesel 180 Baujahr 1987, für die Reise gepackt. Als der Wagen voll war, passten wirklich nur noch meine Frau und ich hinein. Sonst war jeder kleinste Platz ausgefüllt mit irgend welchen Kleidungsstücken oder Lebensmittel. Gott sei Dank musste ich auf keine Waage. Bestimmt hätte da jemand etwas dagegen gehabt, in diesem Zustand zu fahren. Das Auto lag auf der Straße wie ein Brett.

Unser zukünftiges Heim im 1. Stock auf der rechten Seite.
Die  Reiseroute war von Ellwangen aus wie folgt geplant: Über die A7 bis zum BAB Kreuz Ulm, dort auf die A8 bis München und weiter über Rosenheim in Richtung Salzburg. Wir nahmen den Weg über Kärnten, ließen Klagenfurt links liegen und fuhren über Udine nach Triest. Wir hatten Glück, denn trotz der Jahreszeit, es war ja Winter, waren die Straßen frei und somit gut befahrbar. Es ging also auf dem kürzesten Weg nach Triest, unser Ziel für den heutigen Tag.

Am nächsten Tag sollte es dann mit der Fähre nach Albanien weiter gehen. So musste nun ein Hotel gesucht werden, was wir auch gleich in unmittelbarer Nähe vom Hafen gefunden hatten. Allerdings gab es keine Garage dort und wir waren nicht gewillt, das voll bepackte Auto einfach so am Straßenrand abzustellen. Der Pförtner empfahl uns eine nur 2 Straßen entfernt gelegene öffentliche Garage, die wir dann auch fanden. Nach dem Parken musste man dann seinen Wagenschlüssel abgeben beim Pförtner, damit im Falle eines Feuers, die Fahrzeuge entfernt werden konnten. So ganz wohl war uns nicht dabei, hatten wir doch erhebliche Sorge um den Inhalt in unserem Auto. Es ging aber alles gut und wir konnten am nächsten Morgen nach dem Frühstück unser Auto unversehrt wieder in Empfang nehmen.

Anlegen der Fähre in Triest. Bis zum Hafengelände war es jetzt nur noch ein Katzensprung. Die Tickets für die Passage hatten wir bereits in Deutschland über den ADAC besorgt und so konnten wir, nach kurzen Zollformalitäten, direkt an das Hafenbecken fahren, wo die Fähre erwartet wurde. Da wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, wie viel Zeit wir benötigten, bis man fertig war zum Befahren der Fähre, hatten wir noch etliche Stunden vor uns, die nun gewartet werden mussten.

Gegen 10.00 Uhr etwa traf die Fähre aus Albanien kommend im Hafen von Triest ein. Es war schon ein besonderes Schauspiel mit zu erleben, wie ein solch großes Schiff langsam an die Hafenmauer heran geführt und dann festgemacht wurde. Die Heckklappe öffnete sich und heraus quoll ein Lkw nach dem anderen, einige wenige Pkw und jede Menge Albaner. Wie wir später erfuhren waren die unterwegs, um in Italien, Österreich und der Schweiz Autos zu kaufen. Nach dem Umschwung durften ja nun die Albaner auch in ihrem Land Autos besitzen und damit fahren. Vorher war dies nur ein Privileg des Staates und seiner Bediensteten.

Um 16.00 Uhr sollte die Fähre wieder ablegen. Gegen 14.00 Uhr begann man dann damit, die ersten Pkw auf die Fähre zu lassen. Diese ersten Fahrzeuge wurden im 3. Stockwerk nach unten gefahren, also in den Bauch des Schiffes und dort auf Anweisung des Personals geparkt und festgezurrt. Erstaunlich, wie viele Fahrzeuge auf solch engem Raum Platz haben. Da wir ja nun schon sehr früh auf dem Hafengelände waren, war unser Fahrzeug eines der ersten, die auf die Fähre durften. Bei späteren Fahrten versuchte ich jedoch immer erst sehr spät an das Schiff heran zu fahren. Dadurch konnte man weiter oben parken und das bedeutete, dass man so früher von der Fähre wieder herunter kam.

Nun ging es nach oben zur Rezeption, wo man seinen Pass abgeben musste und zur gebuchten Kabine gebracht wurde. Wir hatten damals in Unkenntnis der Örtlichkeiten und aus Kostengründen eine Innenkabine ohne Dusche gebucht. Nie wieder war dies danach der Fall. Die Erfahrungen in einer Kabine ohne Dusche waren so nachhaltig, dass wir von da an bei jeder Passage von Albanien aus nach Italien nur noch eine Kabine mit Dusche buchten. Kabine ohne Dusche und Toilette bedeutete, dass man sich auf dem jeweiligen Deck eine Gemeinschaftsdusche mit den anderen teilen musste. So sind wir schon gegen 05.00 Uhr in der Frühe aufgestanden, um vor den anderen die Duschen benutzen zu können.

Nachdem wir uns also in unserer Kabine eingerichtet hatten, sahen wir uns auf dem Schiff um. Vom Parkdeck aus, wo unser Auto stand, bis zum Oberdeck, waren es genau 8 Etagen. Da konnte man sich schon verlaufen und es passierte uns öfter, dass wir uns erst orientieren mussten, um zu unserer Kabine zurück zu finden. Der Zustand des Schiffes war auch nicht gerade hervorragend. Auf Befragen eines Offiziers sagte uns dieser, dass sich eine Renovierung  bei den Albanern nicht lohnen würde, da es danach gleich wieder so aus sähe. Davon konnten wir uns dann selber überzeugen. Trotz Aschenbecher wurden die Zigaretten auf dem Teppichboden ausgetreten. Der geneigte Leser kann sich sicher vorstellen, wie es dort dann aussah.

Die Fahrt war so angelegt, dass anderen Tag gegen 14.00 Uhr die Ankunft in Durres, geplant war. Durres ist die Hafenstadt in Albanien, die der Hauptstadt Tirana etwa 40 Km vorgelagert ist. Mal abgesehen von den teilweise wild aussehenden Männern, durchweg alles Albaner, verlief die Fahrt ohne Probleme. Die Adria blieb ruhig, was wir aber bei einer späteren Reise auch noch anders erlebten sollten. Da blieben wir die ganze Nacht im Hafen von Durres liegen, um erst am anderen Morgen auszulaufen. Dabei verbrachten wir die gesamte Zeit nur flach liegend im Bett und auf der Toilette.

Bild einer Luxuskabine mit Dusche im Bug des Schiffes.
Schon sehr früh konnte man die Hafeneinfahrt von Durres erkennen.  Man begab sich auf das Oberdeck, um so den weiteren Ablauf besser zu verfolgen zu können. Die Fähre blieb zunächst an der Hafeneinfahrt, aber noch auf offener See, liegen und man wartete darauf, dass nun die albanische Polizei/Zöllner an Bord kamen. Die überprüften nun die am gestrigen Tag abgegebenen Pässe, was schon alleine auf Grund der südländischen Mentalität sehr langsam ging. Jedenfalls dauerte es ziemlich lange, bis wir endlich unsere Pässe wieder in den Händen hielten. Inzwischen ist dann auch die Fähre in den Hafen gefahren und hatte am Pier festgemacht. Erst dann durften wir nach unten zu unserem Auto.

Da allerdings noch etliche Autos vor uns parkten. wurde unsere Geduld auch hier auf eine harte Probe gestellt. Hinzu kam noch, dass ausgerechnet die, die ganz weit hinten parkten, als erstes den Motor anließen und während der ganzen Zeit so die schlechte Luft noch mehr verschlechterten. Trotz aller Versuche, dies zu unterbinden, gab es keinen Erfolg. Wir waren dann froh, endlich aus dem Stinkloch herauszukommen und wieder frische Luft atmen zu können.

Der Eingan der Deutschen Botschaft in Tirana. Draußen wartete dann die nächste Überraschung auf uns. Das Gelände im und um den Hafen herum war für die Albaner frei zugänglich. Keinerlei Absperrungen hinderte die Leute daran, bis direkt an die Fähre heran zu kommen und so die Ausfahrt zu erschweren. Auch kümmerte sich keine Polizei darum, den Weg zur Straße frei zu machen. Ein Kollege vom BGS, der dort an der Botschaft als Sicherheitsbeamter tätig war, holte uns Gott sei Dank ab.

Seinen Instruktionen nach hieß es dann, alle Türen verriegeln, nicht anhalten und langsam seinem Fahrzeug, welches von einem Albaner gelenkt wurde, zu folgen. Dies war nicht so einfach, wie sich das hier anhört. Die Albaner drückten sich ihre Nasen platt an den Scheiben. Immer in der Hoffnung, auf irgend eine Art und Weise etwas von dem, was sie im innern sahen oder erahnten, zu bekommen.

Es dauerte seine Zeit, bis wir die offene Straße erreicht hatten und dann endlich frei fahren konnten. Der erste Eindruck in diesem Land war sehr gemischt. An den Straßen sah man rechts und links nur Baumstümpfe, die auf eine ehemalige wunderbare Allee hindeuteten. Sie wurden abgeholzt, um so Brennholz für den Winter zu bekommen. Die wenigen Häuser, die man auf dem Weg nach Tirana rechts oder links sah, waren in einem bedauerlichen Zustand. Der gesamte Eindruck damals war dermaßen negativ, dass wir uns fragend anschauten, was uns denn noch so alles erwartet in diesem Land. Nach etwa 45 Minuten Fahrt erreichten wir dann aber die Stadtgrenze von Tirana und somit fast unser Ziel.

Das Haus, in dem wir zukünftig wohnen sollten, lag genau der Botschaft gegenüber. Vom Stadtrand aus waren es jetzt nur noch wenige Minuten, bis wir danach endgültig am Ziel waren. Beim Auspacken der vielen Plastiktüten, Taschen und Koffer halfen uns die Kollegen vom BGS, die als Sicherheitsbeamte dort beschäftigt waren. So ging es relativ schnell, bis wir unsere Luftmatratze, die in den nächsten Wochen unser Bett sein sollte, aufgeblasen hatten und wir sagen konnten, jetzt sind wir am Ziel angekommen.


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