Reisen in der Türkei 1991
Wie man unter Berufe nachlesen kann, war ich von Januar bis November 1991 in der Türkei an der Botschaft in Ankara als Sicherheitsbeamter eingesetzt. Natürlich habe ich in dieser Zeit mit meinem Auto verschiedene Bereiche des Landes erkundet. Ankara liegt für Fahrten im Lande geradezu ideal. Es sind nur 5 Stunden Fahrt mit dem Auto bis Side.  Etwa in der Mitte zwischen Antalya und Alanya gelegen bezeichnet man heute diesen Teil als die Türkische Riviera. Es gibt zwei Strecken, die äußerst interessant  sind.

Die eine Route führt von Ankara aus in Richtung Süden über die E-90. Nach etwa 90 Km biegt man rechts ab auf die D715 und folgt ihr bis Konya. Bis zu dieser Stadt führt die Straße durch zunächst leicht hügeliges und später total flaches Gelände vorbei an Hirsefeldern. Einen sehr hohen Bekanntheitsgrad haben die heute noch in Gruppen organisierten tanzenden Derwische, die inzwischen zu einer echten touristischen Attraktion geworden sind. Daneben gibt es eine Vielzahl von Museen und Paläste, die einen Besuch wert sind.

Am Stadtrand von Konya folgt man der Umgehungsstraße nach links und folgt ihr, bis sie in die D696 über geht. Die Straße führt durch das Taurus Gebirge, bis Manavgat. Eine wunderschöne Strecke, die jedoch in der Nacht ihre Gefahren birgt. Teilweise in Serpentinen durch dichte Wälder erreicht man nach fast 5 Stunden das Mittelmeer. Von hieraus sind es nur noch 5 Km, bis man von der inzwischen gut ausgebauten Küstenstraße nach links abbiegt, um nach Side zu gelangen.

Die andere Route führt von Ankara aus in Richtung Südwesten aus der Stadt über die E-90 und E-96 in Richtung Afyon. Hier hält man sich einfach in Richtung Süden, wobei mehrere Straßen nach Isparta führen. Gut ausgebaut und zu befahren ist die D650, der man über die D625 folgt bis zur D685. Hier hat man die Wahl, ob man der D650 über Burdur oder der D685 über Isparta folgt. Beide Strecken haben ihre Reize. Sie führen durch das Taurus Gebirge und dichten Nadelwäldern nach Antalya. Von hieraus sind es noch etwa 80 Km bis Side.

Gedenstein Kaiser Barbarossa
Wenn man von Konya aus in Richtung Süden der D715 folgt, erreicht man kurz vor Silifke am Mittelmeer einem Gedenkstein, der von der Deutschen Botschaft in Ankara errichtet wurde. Die Inschrift gibt darüber Auskunft, dass unweit dieser Stelle am 10. Juni 1190 der Römisch-Deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa im dortigen Fluss Göksu an der Spitze seines Heeres auf dem Weg nach Palästina ertrank.

Auf dieser Strecke kann man mit ein wenig Glück noch Nomaden erleben, die rechts und links der Straße ihre Zelte aufgeschlagen haben. Sie sind sehr gastfreundlich und immer bereit, einen Besucher zu empfangen. Man kann ihnen beim Teppichknüpfen zusehen oder vom selbst gemachten Schafskäse probieren. Diese Teppiche werden auch verkauft und sind um einiges günstiger, als dies bei den Stücken der Fall ist, die man auf geführten Touren in den Teppichfabriken erwerben kann.

Burgruine Kiz Kalesi Eine aus meiner Sicht schönste Strecke mit dem Auto ist die von Tarsus über Silifke, Alanya, Antalya, Fethiye bis Izmir im Westen der Türkei  Wer Sehenswürdigkeiten und antike Stätten des Altertums liebt, ist hier genau richtig. Allerdings benötigt man auch richtig viel Zeit. In Abhängigkeit der eigenen Interessen kann man hierzu keine Zeitangabe machen. Da es an jeder Ecke Unterkünfte von einfach bis gehoben gibt, kann man sich getrost auf eine bis zwei Wochen einrichten und somit jeden Winkel erkunden.

Tarsus liegt südlich von Ankara direkt am Mittelmeer. Als erste Station erreicht man Mersin, die Provinzhauptstadt dort. Man fährt an der Küste entlang bis Kiz Kalesi. Hier steht etwa 200 m dem Strand vorgelagert eine Burgruine auf der Jungfraueninsel.  Ein flacher, feinkörniger Sandstrand lädt zum Baden ein. Es gibt hier eine Vielzahl von kleinen Hotels und Pensionen. Dort im Hotel Yaka zeigte mir der Besitzer voller Stolz das Zimmer, in dem der Bundespräsident Weizsäcker genächtigt haben soll.

Es folgt eine Strecke mit den schönsten Aussichten auf das Mittelmeer. In teils engen Kurven geht es auf und ab. Immer links den Blick auf das Wasser. Vorbei an Anamur geht es nach Alanya. Schon von weitem sieht man die auf dem Berg erbaute Festung, die Burg von Alanya. Neben dem Burgberg von Alanya mit altem Stadtzentrum und der Moschee ist die Karawanserei noch sehr sehenswert. Die Weiterfahrt führt nun nach Manavgat. Dort gibt es die bekannten Wasserfälle, die jedoch eher an Staustufen erinnern. Zwischen den Wasserarmen liegt sehr schön ein Restaurant mit türkischen Spezialitäten.

Es geht vorbei an Side mit seinem noch sehr gut erhaltenem Theater in Richtung Antalya. Auf halber Strecke erreicht man den Abzweig nach Aspendos. Dort steht das wohl besterhaltene antike Theater, in dem noch heute Aufführungen stattfinden. Die beliebte Sendung im ZDF "Wetten das" hatte dort im Mai 2005 einen Termin. Kurz vor dem Flughafen von Antalya geht es links ab nach Perge. In einem Ruinenfeld sind noch gut erhalten das Stadion, das Hellenistisches Stadttor und das Bühnengebäude. In Antalya selbst ist die Altstadt mit dem Jachthafen sehenswert. Durch verwinkelte Gassen und schmalen Wegen erreicht man einzigartige Geschäfte und gediegene Restaurants. Von hieraus lassen sich Tagestouren in das nahe Taurus Gebirge durchführen.

60 Km weiter kommt man nach Kemer. Die Stadt war ein reines Fischerdorf und wurde erst nach 1980 mit einer Landstraße an das übrige Straßennetz angeschlossen. Heute ist es ein reiner Touristenort mit einem großen Jachthafen, vielen Restaurants und Juweliergeschäften. Sehenswert in der unmittelbaren Nähe sind einige Ruinen in den kleinen Orten Faselis und Tekirova. 

Man fährt nun durch eine bergige Gegend, die ein erschlossenes Wandergebiet hat. Vorbei an Finike und Demre geht es nach Kas. In Demre wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts der Hl. Nikolaus als Bischof von Myra in Kleinasien (heute Türkei). Gleich in der Nähe liegt Kekova, die versunkene Stadt. Tauchen ist hier zwar verboten, doch beim Schnorcheln kann man viel sehen. Die Lykischen Felsgräber und Rankensarkophage sind dort, relativ gut erhalten, zu bestaunen. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist das römische Theater. Kas ist ein ehemaliges kleines Fischerdorf, das heute ein Geheimtipp für Taucher und Schnorchler ist. Neben wenigen großen Hotels sind es vor allem die kleinen Pensionen, die das Stadtbild prägen. Am Hafen kann man sehr gut Fisch essen.

Theater in Aspendos
Weiter geht die Fahrt in Richtung Fethiye und Dalaman. Letzteres ist ein kleiner Touristenflughafen für den Südosten der Türkei. Ab hier gibt es eine Vielzahl von Orten, die dem Leser vielleicht aus den einschlägigen Reisekatalogen bekannt sein dürften. Marmaris, Bodrum oder Kusadasi sind nur einige, die ich hier nennen möchte. Die Fahrt geht bis Mugla, um von dort nach rechts abzubiegen. Wir fahren nach Pamukkale. Den Namen erhielt der Ort durch die beeindruckenden Kalksinterterrassen, die über Jahrtausende dadurch entstanden sind, dass kalkhaltiges Wasser aus den dortigen Thermalquellen seine Ablagerungen dort belassen hat. Heute sind sie eine beliebte Touristenattraktion. Die Terrassen stehen auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO und man darf sie heute nicht mehr betreten. Ich hatte noch Glück und konnte sie so aus nächster Nähe betrachten.

Von Pamukkale aus fährt man nach Westen über Aydin nach Ephesus, das bei Kusadasi liegt. Sicherlich gehören die dortigen antiken Ruinen zu der touristischen Hauptattraktion der Türkei. Bevor die Fahrt nach Izmir weiter geht, fährt man direkt am Meer entlang auf einer kleinen Straße nach Cesme. Eine Hafenstadt, die inzwischen von den großen Fähren aus Italien angelaufen wird. Hier wohnen viele Türken, die übers Wochenende der Großstadt entfliehen und etwas Ruhe tanken wollen.

Meine Zeit in der Türkei war angefüllt mit kleinen Reisen und Exkursionen. Von Ankara aus bin ich zum Schwarzen Meer nach Norden und zum Mittelmeer nach Süden gefahren. Von Istanbul aus, entlang an der Küste bis Antakya und nach Osten bis zur iranischen Grenze führte mein Weg, wo ich den Ararat gesehen habe. Besonders angetan war ich von Kappadokien. Kappadokien lag an der berühmten Seidenstraße. Die dort lebenden Menschen wurden oft von vielen unterschiedlichen Aggressoren überfallen. Deshalb haben die Bewohner das weiche Tuffgestein ausgehöhlt, um sich darin zu verstecken. Es entstanden ganze unterirdische Städte, die heute noch zu sehen sind, wie z.B. Kaymakli. Auch das Ihlara Tal in der Nähe von Göreme hatte es mir angetan. Die dortigen Felsenmalereien in den in den Fels gehauenen Kirchen sind zwar stark beschädigt, doch immer noch sehr sehenswert.

Zu einigen Bildern aus der Türkei geht es hier.


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